Wenn der Regen die Pläne durchkreuzt
Manchmal entstehen die besten Ideen aus purer Frustration. Mein Alltag findet normalerweise zwischen Zahnkränzen, Bremskabeln und Speichen statt.
Als Fahrradmechaniker arbeite ich zu 100 % in der Werkstatt. Ein Job, den ich liebe, der aber auch lange Präsenzzeiten und vollen Einsatz fordert.
Wenn ich dann nach Feierabend oder am Wochenende meine Kamera in die Hand nahm, war da immer dieser eine unsichtbare Gegner: Das Wetter.
Wie oft habe ich gehofft, dass das Licht in der Abenddämmerung noch reicht, während ich im Laden noch die letzte Kette geölt habe? Ich wollte nicht mehr länger vom Wetterbericht abhängig sein. Ich wollte Flexibilität.
Der Entschluss: Mehr als nur ein Hobby
Der Traum vom eigenen Fotostudio war für mich deshalb nicht nur ein „Luxus“, sondern der entscheidende Schritt, um mein Nebengeschäft auf das nächste Level zu heben. Ich wollte einen Ort, an dem ich:
• Wetterunabhängig arbeiten kann (egal ob es draussen stürmt oder schneit).
• Zeitlich flexibel bin (Shootings sind jetzt auch spätabends möglich, wenn das Studio-Licht für mich die Sonne ersetzt).
• Professioneller auftreten kann (ein fester Ort gibt dem Business eine ganz andere Substanz).
Aus dem Mechaniker, der nach Feierabend dem Licht hinterherrennt, wurde ein Fotograf, der sein eigenes Licht setzt. Damit bin ich heute breiter aufgestellt und kann meinen Kunden eine Konstanz bieten, die Outdoor einfach nicht immer möglich ist.




Der Weg zum eigenen Raum: Klein, aber fein
Nach über einem Jahr Warten war es endlich so weit: Nur einen Katzensprung von meiner Wohnung entfernt wurde ein Bastelraum frei. Die Masse? 2,5 Meter breit, 4 Meter lang.
Hand aufs Herz: Es kann nie gross genug sein?
Aber für den Start meines Nebenerwerbs war dieser Raum ein echter Glücksgriff. Warum?
1. Die Nähe: Ich bin in Minuten vor Ort. Perfekt, um nach der Arbeit in der Werkstatt noch kurz vorzubereiten oder an Licht-Setups zu feilen.
2. Das Risiko: Da mein Kundenstamm noch wächst, halten die überschaubaren Mietkosten den Kopf frei für Kreativität statt für Existenzängste.
Engineering trifft Fotografie: Der Umbau
Ein kleiner Raum erfordert grosse Planung. Jede Stunde nach Feierabend floss in die Gestaltung.
Mein Ziel: Maximale Funktionalität auf minimalem Raum. Gemeinsam mit meinem Schwiegervater (ein riesiges Danke an dieser Stelle!) ging es an die Arbeit:
• Zuerst flogen die alten Tablare raus. Um das tückische Streulicht in kleinen Räumen zu bändigen, haben wir die Decke schwarz und die Wände in einem tiefen Dunkelblau gestrichen.
Die Atmosphäre änderte sich sofort und es fühlte sich plötzlich nach “Studio” an.
• Das Podest mit Geheimfach: Ich habe eine Bühne gebaut, aber nicht nur für die Optik.
Den Zwischenraum haben wir mit magnetischen Deckeln versehen. So wurde wertvoller Stauraum geschaffen, der sonst verloren gegangen wäre.
• Platz sparen mit System: In einem 2,5m breiten Raum sind Stativbeine die grössten Stolperfallen. Meine Lösung? Eine Deckenschiene. Nun schwebt mein Hauptblitz sicher über dem Boden und lässt sich butterweich positionieren.
Für die rechte Seite haben wir aus vorhandenem Material sogar noch ein zweites Schienensystem für einen weiteren Blitz gebastelt.






Das Equipment: Wenn alles zusammenkommt
Nach und nach füllte sich das Studio mit Leben (und Technik): Zwei Godox-Blitze in verschiedenen Stärken, ein Dauerlicht für Video- oder Porträt-Experimente und diverse Softboxen für das perfekte Licht-Shaping.
Ein letztes Regal sorgte schliesslich für die nötige Ordnung.
Die Premiere: Weihnachten im Fokus
Ich muss ehrlich zu mir selbst sein: Das Timing für die Werbung war eine Herausforderung. Anfang Dezember verteilte ich noch Flyer in Briefkästen, eine klassische “Hands-on"-Aktion, die sich allerdings als ziemlich ineffizient herausstellte.
Aber wisst ihr was? Das gehört zum Lernprozess dazu. Der Raum war fertig, das Licht brannte, und ich war bereit für die ersten Gäste.
Pünktlich Ende November stand das Setup: Mein allererstes Weihnachts-Set.




Die Feuertaufe: 5 Personen, ein Dalmatiner und der Sprung ins kalte Wasser
Kaum war die letzte Wand gestrichen, ging es Schlag auf Schlag. Das erste offizielle Shooting stand an: Die Schwester meiner Frau mit Familie
Fünf Personen plus ich auf engstem Raum. Da ich ursprünglich aus der Tierfotografie komme und mich nun Stück für Stück breiter aufstelle, war das eine echte Umstellung. Dank der Geduld meiner Familie haben wir es trotz Weitwinkel und Platzmangel geschafft: Die Bilder waren im Kasten!



Mein Highlight: Punktlandung im Studio
Kurz darauf folgte ein Moment, auf den ich mich besonders gefreut habe. Dank der Mundpropaganda meiner Schwägerin hatte ich meine ersten zwei bezahlten Shootings.
Beim letzten Termin gab es eine Premiere: Mein erster vierbeiniger Gast im neuen Studio: ein wunderschöner Dalmatiner.
Obwohl mein Herz für die Tierfotografie schlägt, stieg die Nervosität ins Unermessliche. Fremde Leute, ein stolzer Hund und die Technik...
Natürlich kam es, wie es kommen musste: Der Studioblitz wollte im entscheidenden Moment nicht, und als ich hektisch ein Testfoto machte, sah ich nur Schwarz.
Der Moment der Wahrheit: Ich hatte vor lauter Aufregung den Objektivdeckel noch drauf. Wir haben herzlich gelacht, die Stimmung war gelockert und der Dalmatiner blieb tiefentspannt. Es war eine fantastische Erfahrung zu sehen, dass mein Konzept vom Tierporträt bis zum Familienshooting in diesem kleinen Raum wirklich funktioniert.

Ein aufregender Monat geht zu Ende, was bringt 2026?
Rückblickend muss ich sagen: Viel mehr Shootings wären in dieser kurzen Zeit wirklich nicht drin gewesen. Zwischen Werkstatt und Studio war mein Kalender randvoll, und ich bin fast ein wenig froh, dass nach diesem intensiven Monat erst einmal ein kurzer Moment zum Durchatmen kam.
Es war eine Zeit voller "Learnings" und neuer Ideen.
Auch an meinem geliebten Bastelraum werde ich noch Hand anlegen.
Die tiefblaue Wand sieht zwar toll aus, ist aber nicht für jedes Setup ideal. Hier tüftle ich bereits an einer flexibleren Lösung.
Neue Themen, neue Ziele
Das erste Themenshooting ist im Kasten, und die nächsten Ideen sprudeln schon: Als Nächstes möchte ich spezielle Geburtstags-Shootings anbieten, und für später im Jahr sind bereits Herbst- & Halloween-Sets fest eingeplant.
Welches Thema würdet ihr euch für ein Shooting wünschen? Schreibt es mir in die Kommentare!
Der Januar 2026 steht nun ganz im Zeichen der Weiterbildung. Ich nehme an einem spezialisierten Online-Workshop für Studiofotografie mit Hunden teil.
Ich brenne darauf, das Gelernte von edlen Porträts bis hin zu lustigen Schnappschüssen direkt umzusetzen.
Parallel dazu werde ich ab Februar tief in die Welt von Photoshop eintauchen, um meinen Bildern den letzten professionellen Schliff zu verleihen.
Das Thema Werbung wird mich sicher weiter begleiten (diesmal vielleicht etwas effizienter als mit den Briefkasten-Flyern!), aber das wichtigste Ziel bleibt unverändert:
Euch! Egal ob Mensch oder Tier, im Studio oder Outdoor, Freude zu schenken und Erinnerungen für die Ewigkeit zu schaffen.